Leseprobe – Teufel sei Dank

Die Anthologie „Dazwischengeschichten“ besteht aus 9 Geschichten von 9 unterschiedlichen Autoren

Diese Leseprobe ist aus der Geschichte „Teufel sei Dank“ von Rebecca Ahlen

 

Der Anfang

Von dem höhlenartigen Raum aus hatte man die beste Aussicht über die Hölle. Normalerweise liebte Teufel den Ausblick, aber an diesem Tag kamen ihm die Vorsprünge weniger spitz und bedrohlich vor. Schlecht gelaunt beobachtete er eine Gruppe Seelen, die beschäftigt damit waren, einen der unzähligen Feuerseen mit Öl aufzufüllen.
Teufel schnaubte, dreht sich von der Höhlenöffnung weg und schlurfte über den unebenen Boden zum massiven Schreibtisch aus Fels.
»Immer dasselbe«, grummelte er und warf sein Handy mit der dicken Antenne auf den Tisch. Sofort verlor es sich zwischen den Stapeln von Papieren.
Den Tag hatte er sich anders vorgestellt.
»Sir,« kam eine piepsige Stimme von der angesengten Tür her.
Teufel starrte weiter auf die Stelle, wo sein Handy verloren gegangen war.
»Sir«, kam es schrill und piepsiger, als hätte sich der Sprecher verschluckt.
»Bist du das, Beelzebub?«, knurrte Teufel und rieb sich die narbige Stirn, »Die Antwort für Trump ist immer noch Nein.«
»Ähm. Ich weiß, Sir«, Beelzebub glättete den Frack, der zu lang für seine schmale Statur war. »Ich bin nicht deswegen hier, sondern es ist Zeit für den Wochenbericht.«
Teufel zuckte erfreut zusammen, »Ah, der Wochenbericht! Moment!«, rief er und tippelt zum Ledersessel auf der anderen Seite des Schreibtisches.
Das Leder quietschte, als sich der Herr der Hölle setzte und zurücklehnte. Erst dann merkte er, dass die Papierberge auf seinem Schreibtisch zu hoch geworden waren und er Beelzebub nicht sah.
»Äh, Warte!«, maunzte er, klopfte zwei Mal gegen die Mitte eines Papierstapels und schob einen weiteren einige Zentimeter nach hinten, sodass eine Lücke dazwischen entstand. Der erste Haufen schwankte verdächtig. Teufel fischte mit dem Fuß einen kurzen Dreizack vom Boden und stemmte ihn gegen den Stapel. Er lehnte sich zufrieden in den Sessel zurück und spähte durch das entstandene Guckloch auf seinen Assistenten.
»So, schieß los«, sprach der Herr der Hölle, während er die Tasse mit der Aufschrift »Bester Teufel der Welt« in die Hand nahm.
Beelzebub räusperte sich, während er eine lange Papyrusrolle entrollte, »Es liegen einige unaufschiebbare Dinge vor, die heute erledigt werden müssen. Die Marshmallows sind uns ausgegangen. Die Seelen beschweren sich, dass sie nichts zum Grillen haben. Dann ist das bedruckte Toilettenpapier mit lästigen Facebook-Posts leer. Wir können aber auf die besten Sprüche von Dieter Bohlen zurückgreifen. Und die Blutkonserven 0 negativ sind erschöpft. Wir müssen mit A positiv überbrücken…«
»Was?«, unterbrach Teufel und schob das Loch zwischen den Papierstapel größer. »Und was ist mit dem Geocaching Punkten, die wir letzte Woche besprochen haben? Hat sich da etwas getan? Jedes Mal wenn ich raus gehe und nach Koordinaten suche, finde ich nur die Alten.«