Die fahrende Gebets-Shopping-Disko

Die fahrende Gebets-Shopping-Disko

21. Februar 2018 Aus Von Rebecca

Der Nachtbus von Douala nach Bamenda

Meine Glieder schmerzen.

Die letzten 8 Stunden waren schlimmer als eine Nacht in der Holzklasse von einem Low-Budget-Flieger, mit schreienden Kleinkindern, Ausdünstungen vom Nachbarn und Flugzeugessen, das man bezahlen muss.

Von der Küstenstadt Douala fahren Kameruner mit dem Nachtbus nach Bamenda, wenn sie kein eigenes Fahrzeug besitzen. Dieser Nachtbus startet spät abends in Douala und fährt die ganze Nacht durch bis er morgens um 5 Uhr in Bamenda ankommt.

Ich hatte einen großen, klimatisierten Bus erwartet, mit breiten Sitzen, einer Toilette an Bord und vielleicht einem freien Platz neben mir, damit ich mich ausbreiten kann. Aber der Bus, vor dem ich stand, war weit von meinen Hoffnungen entfernt!

Ja, es war ein großer Bus. Aber mehr Gemeinsamkeiten hatte er mit meinen Erwartungen nicht.

Die geschätzten 70 Plätze in dem einstöckigen Bus waren aufgeteilt in breite Holzbänke auf der rechten und schmale Holzbänke auf der linken. Wer keinen Platz auf den Bänken bekam saß im Gang auf dem Boden oder auf den beiden Eingangstreppen. Ich teilte mir die breite Bank mit zwei ausgewachsenen Afrikanern, so dass meine Sitzfläche auf eine Halbe reduziert wurde. Seitlich schob ich mich an die Armlehne. Stütze meine Ellenbogen auf. Und vergrub meinen Kopf in den Händen, die meinen Schal wie ein Kissen hielten. So würde ich es bestimmt einige Stunden ertragen können, wenn ich immer wieder das Gewicht von einer Pobacke auf die andere wechselte.

Platzmangel auf den Holzbänken

Der Bus kam in Bewegung und als wäre es ein Zeichen Gottes gewesen sprang ein christlicher Priester auf und betet lautstark mit den Fahrgästen. An Schlaf war bei dem Lärm nicht zu denken und als dann auch noch die Arme meines Nachbars mit allen anderen nach oben schnellten um Gott anzupreisen, vertrieb ich mir die Zeit mit dem Zählen von dem Wort „Jesus“, das in jedem Satz zu fallen schien. Nach einer Stunde hörte er endlich auf und wir näherten uns Mitternacht. Zurück in meiner geplanten Schlafposition, wurde ich aus dem Dämmerschlaf gerissen, als auf dem Bildschirm unterm Busdach ein Musikvideo aufleuchtet, mit wackelnden Hintern in der Linse und eine Musiklautstärke, die Tote aufwecken könnte. Zeit für Ohrenstöpsel!

Keine Chance auf Schlaf im Nachtbus

Nun galt es die Musik in meine Träume einzubauen, um wenigstens einige Stunden Schlaf zu bekommen. Aber das Schicksal wollte es anderes, denn die Fahrt wurde aufgeteilt in Raserei oder bucklige Straße, die den ganzen Bus durchrüttelten. Jetzt verstand ich das lange Gebet am Anfang.

Mit jeder Stunde wurde die Musik aus dem Video lauter. Zwei Stunden vor Bamenda dachte ich, ich würde in einer Disko schlafen. Und damit wirklich niemand die Ankunft verschlief, sprang eine Stunde vorm Ziel ein Verkäufer auf, um unsere Gefangenschaft auf dem kleinen Raum auszunutzen. Ein braunes Wässerchen gegen schlechte Zähne! Oder etwas Gelbes gegen Malaria. Ich kam mir vor wie in dem Film „Der Medikus“ wo gefärbte Pferdepinkel als Wundermittel verkauft wird.

Wundermittel gegen jede Krankheit

Endlich setzte die Dämmerung ein und wir bogen auf die staubige Fläche des Busbahnhofes ein. Diese Nacht war geschafft. Mit letzter Kraft zog ich meinen Rucksack hinter unzähligen Warenbündeln aus dem Kofferraum raus. Und ich verdrängte den Gendanken, dass ich in weniger als zwei Wochen diese Fahrt zurück nach Douala wieder antreten müsste.

 

Von der Küstenstadt Douala in das Zentrum von Kamerun nach Bamenda

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