Die Metro in der Luft

Die Metro in der Luft

3. Februar 2018 Aus Von Rebecca

La Paz ist der Regierungssitz und die größte Stadt von Bolivien mit ca. 800.000 Einwohnern. Wenn man mit dem Bus über Land anreist, sieht man Stundenlang nur endlose Weiten und wundert sich, dass man nur noch eine halbe Stunde entfernt sein soll und noch kein Haus ist in Sicht. Und wenn sie dann endlich auftauchen, wundert man sich, wo die große Stadt sein soll. Erst wenn man über den Hügel drüber kommt, fällt der Blick in den tiefen Kessel in dem tausende Häuser an die Hänge und dem Boden des Tales gebaut sind. Schnell lerne ich, dass nicht alle Häuser zu La Paz gehören, sondern dass das Gebiet auf dem Rand des Kessels die Stadt El Alto ist und La Paz nur der Teil im Tal.

Der Höhenunterschied zwischen La Paz und El Alto ist in etwa 400 m – also kein Höhenunterschied, den man einfach mal so läuft. Auch Taxis sind für den Alltag der Bewohner zu teuer, weil eine einfache Fahrt von oben nach unten 40 Bolivianos (etwa 5 Euro) kostet. Deswegen hat die Regierung entschlossen Cable Cars zu bauen als öffentliches Verkehrsmittel, was die einzelnen Stadtteile und die beiden Städte verbindet. Ende 2017 waren 5 Linien in Betrieb, eine in der Bauphase und weitere in Planung. Grund für die Lösung, wie wir sie aus den Alpen kennen, ist der schlechte Boden, der fast nur aus Sand besteht und Steigungen an den Hängen, wo keine Metro möglich ist. Es fahren Busse, die aber dem unberechenbaren Verkehr auf den Straßen ausgeliefert sind.

Bolivianischer Lift gebaut von Österreichern

Auffällig an den Cable Cars ist der Charakter der Skilifte aus den Alpen. Die passen irgendwie nicht zu der Architektur und der Detailliebe der Bolivianer. Und wenn man genauer hinsieht entdeckt man in jeder Gondel einen kleinen Sticker mit der österreichische Flagge und dem Namen der österreichischen Firma daneben.

Ich habe mich mit einem bolivianischen Bauingenieur unterhalten, der für die grüne Linie die Bauleitung übernommen hat. Von ihm habe ich die Information bekommen, dass die Bolivianer nicht die Erfahrung mit dem Bau von Liften haben und somit eine intentionale Ausschreibung an die Fachfirmen im Ausland lief. Ein aufwendiges und teures Projekt (20.000 Bolivianos = ca. 2.500 Euro pro Gondel), um den Bewohner der beiden Städte für 3 Bolivianos (ca. 30 Cent) pro Fahrt den Weg zu verkürzen.

 

La Paz in Bolivien

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