Ein Hu geht durch das Dorf

Ein Hu geht durch das Dorf

5. Februar 2018 Aus Von Rebecca

Träge schaute Mayumi von ihrem Schaukelstuhl auf  und ließ den Blick über den leergefegten Platz bis hin zu den Baumwipfeln des Dschungels gleiten, der das Dorf mit seinen kleinen zusammengenagelten Holzhütten abgrenzte, als ein Windhauch die Schwüle der Mittagshitze linderte. Die Wäsche hatte Mayumi bereits am Morgen erlegt. Später würde sie noch die Kakaobohnen, die auf einem Tuch in der Sonne trockneten, mit dem neuen Rechen aus Chazuta wenden. Doch bis dahin war noch Zeit und müde fielen ihr die Augen zu, als sie über den Kopf ihrer Tochter, die auf ihrem Schoß eingeschlafen war, streichelte. In der Ferne vernahm sie, wie ein knatternder Motor unten am Fluss erstarb. Kein ungewöhnliches Geräusch an einem Ort, der nur mit dem Boot zu erreichen ist. Doch der Ruf eines Mannes ließ ihre Tochter aufschrecken. „Huuu“, wiederholte sich der Ruf, der etwas lauter wurde. Es gab kein Halten mehr. Auch Mayumi war plötzlich hellwach und rannte, so schnell es ihre Schlappen zuließen, hinter ihrer Tochter her, die Böschung zum Fluss hinunter. Der Mann hatte aufgehört „huuu“ zu rufen, denn auch andere Leute aus dem Dorf waren seinem Ruf gefolgt und scharrten sich um ihn.

Der erste Kontakt, wenn man niemanden kennt

Am Fluss Huallaga braucht man nicht für alles einen Termin oder Plan oder Wegbeschreibung. Es reicht, wenn man mit einem Boot ankommt und mit dem „Huu“-Ruf den Bewohnern mitteilt, dass man Hilfe braucht. Zum Beispiel wenn man das erste Mal in ein Dorf kommt und den Bürgermeister nicht kennt. Dann bringen einen die Leute, die angelaufen sind, zu ihm.

Ich bin mit einer Freundin in ein Dorf gefahren, weil wir gehört hatten, dass man dort reiten kann. Die Böschung hoch, ungefähr die Richtung zum Dorfplatz eingeschlagen und immer wieder „Huu“ gerufen. Nach wenigen Minuten waren 4 Dorfbewohner da, die die Köpfe zusammen steckten, als sie unsere Frage hörten. Dann wird genickt und aus eines der Gärten hinter den Holzhäusern ein Pferd aufgetrieben. Wir waren die Attraktion für die nächste Stunde, als wir auf dem armen Tier thronten. Nach dem Reiten noch ein Ausflug zum Schwimmtümpel und eine Eskorte zurück zum Fluss, wo wir nach dem nächsten „Huuu“ ein Boot für die Rückfahrt bekommen haben.

In der Nähe von Chazuta in Peru

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