Hitzige Diskussionen beim Abendessen

Hitzige Diskussionen beim Abendessen

1. April 2018 Aus Von Rebecca

Korruption in Peru

Ich sitze mit meiner peruanischen Freundin und deren Mutter beim Abendessen und plötzlich wandelt sich die Stimmung des Gespräches, weil sie auf die Politik zu sprechen kommt.

Im Sommer 2017 wurde dem amtierenden Präsident Kuczynski vorgeworfen, in korrupten Geschäften mit einem brasilianischen Bauunternehmen verwickelt zu sein. Daraufhin gab es im Dezember 2017 eine Abstimmung zur Amtsenthebung im Parlament, doch die nötige 2/3 Mehrheit kam nicht zu Stande und er blieb im Amt.

Es gab Gerüchte, dass wenn der Präsident abgesetzt wird, sämtliche Unternehmen Peru verlassen würden, weil sie mit dem Präsidenten verbunden sind. Deswegen waren meine Freundin und auch anderen Leute, mit denen ich darüber gesprochen habe, froh, dass es nicht zur Amtsenthebung kam. Mehrere Gründe sprachen dafür:

1) Es gab keinen Alternativkandidaten, falls es zu Neuwahlen kommen würde.

2) Arbeitsplätze gehen verloren, weil die Unternehmen Peru verlassen.

3) Und kann zu Unruhen im Land kommen, wenn der Präsident enthoben wird.

4) Peru würde ein schlechtes Bild in der Welt abgeben, wie viele andere südamerikanische Länder wie Argentinien oder Venezuela zu der gleichen Zeit.

Ein Thema, das immer wieder in Peru aufflammt: beim Abendessen, im Sammeltaxi oder auf der Straße.

Der Präsident bleibt im Amt trotz Korruptionsvorwürfen

Kaum hatten sich die Gemüter beruhigt, feuerte die nächste Aktion des Präsidenten die Stimmung an. Und er wählte für seine Handlung den Weihnachtstag, an dem Familien gemütlich zu Hause sitzen und sich nicht mit Politik beschäftigen wollen.

Um zu erklären was an dem Weihnachtstag 2017 durch die Presse ging, muss ich etwas weiter ausholen:

Der peruanische Präsident Fujimori, der von 1990 bis 2000 regierte, floh 2000 nach Japan. Ihm wurde ein diktatorischer Regierungsstiel, Korruption und Menschrechtsverletzung vorgeworfen. Obwohl er inzwischen die japanische Staatsbürgerschaft angenommen hatte, wurde er 2007 an Peru ausgeliefert. Er wurde zu 25 Jahren Haft verurteilt. Seine Haft lief, laut meiner Freundin, eher angenehm. Nämlich in einem Militärlager mit eigenem Häuschen und Garten, wo er mit seiner Familie lebte. An Weihnachten 2017 wurde er nach nur 10 Jahren von dem aktuellen Präsidenten Kuczynski begnadet. Und nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt bis zum 04.01.2018 wegen seiner Gesundheit frei gelassen.

Die Regierung behandelt Politiker bevorzugt

Ein weiteres Beispiel für Korruption gab mir meine Freundin, die in einem Hotel gearbeitet hat. Sie hat sich dort auf eine bessere Stelle beworben. Doch die Stelle bekam nicht sie, sondern ein Verwandter des Managements, der nicht das nötige Studium dazu hatte und noch nie in dem Bereich gearbeitet hat. In den Augen meiner Freundin Vetternwirtschaft.

Vetternwirtschaft

Peru liegt auf dem Korruptionsindex auf Platz 101 von 176. Das heißt, dass die gefühlte Wahrnehmung von Korruption im Alltag sehr hoch ist. Im Vergleich stand Deutschland in 2017 auf Platz 10.

Korruptionsindex auf Platz 101

Link zu den Nachrichten zu Fujimori: https://www.tagesschau.de/thema/peru/index.html

Link zum Korruptionsindex 2017: http://www.laenderdaten.de/indizes/cpi.aspx

 

In der Hauptstadt Lima und in ganz Peru

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