150 km in 12 Stunden

150 km in 12 Stunden

17. Oktober 2018 Aus Von Rebecca

Der Verkehr in Nepal

Wer in Nepal unterwegs sein möchte, braucht Geduld und Zeit.
Schnell mal zum nächsten Ort geht nicht. Man muss nicht lange in Nepal sein, um zu sehen wie es läuft. Stau, schlechte Straßen, unklare Verkehrsregeln, … Die Straße ist ein offener Raum für jeden, der nicht nur den Fahrzeugen vorbehalten ist. Und mit jeden, meine ich Tiere, Menschen, Unrat oder auch Baugerüste.
Hier zwei Beispiele, die mir in den ersten beiden Agen passiert sind. ch denke es werden nicht die letzten sein.

Busfahrt

150 km hört sich nicht viel an. Wie lange braucht man dafür in Deutschland mit dem Auto? 1 bis 1,5 Stunden?
In Nepal ist das etwas anderes.

Geplant waren 6 Stunden, den die Straßen sind schlecht und auf dem Weg müssen noch anderen Personen aufgelesen werden. Aber mit 12 Stunden hätte ich nicht gerechnet.

Wie kam es dazu?

Zuerst sprang der Bus nicht an. Es dauerte einige Anschubser und dann konnten wir in Kathmandu starten. An scheinbar jeder Straßenecke hielten wir an und Leute stiegen ein. Keine Haltestelle, keine besondere Ecke, … einfach mitten an der Straße. Wenn wir zu langsam wurden sprangen noch Verkäufer auf, um kurz durch den Bus zu laufen und uns Essen oder Armbanduhren anzubieten. Doch irgendwann wollte der Bus nicht mehr und wir mussten in die Werkstatt, um die Batterie auszutauschen. Das war auch der Grund, warum wir am morgen nicht gleich gestartet sind.

    
Bis jetzt waren wir nur kurz hinter dem Zeitplan. Die große Verzögerung kam etwas später. Vor uns kam ein Bus ins Schleudern, weil er einem spielenden Kind ausgewichen ist. Wir haben es nicht gesehen, weil es einige Minuten zuvor passiert ist, aber wir kamen nicht mehr durch. Einspuriger Weg durch ein Dorf. Es gab nur zwei Möglichkeiten: Warten oder Wenden. Ich hätte lieber gewartet, denn das Wenden war schon abenteuerlich. Es fehlte nicht viel, dass der Reifen in einen tiefen Graben abgerutscht wäre. Das war aber noch nicht alles. Der Busfahrer bog auf einen Weg ab, den ich zum Wandern genutzt hätte, aber niemals für einen dicken Bus. Zwei Mal bin ich vom Bus gesprungen, weil ich dachte wir stürzen gleich ab. Zwei Stunden dauerte die Kamikazefahrt, bis wird endlich wieder die Asphaltstraße erreichten.

    
Etwa um 7 Uhr schepperte es und wir hielten an. Der Busassistent kam mit einem Stück Metall zurück, dass von unserem Bus abgefallen ist. Das störte aber soweit niemanden und wir fuhren weiter. Zwei weitere Staus, wegen enger Straße, kamen wir endlich an. 6 Stunden später als geplant.

Stau durch Blockaden

In der Bergregion um den Annapurna (und wahrscheinlich auch in den anderen Regionen) läuft eine Straße an den Flanken der Berge entlang. Diese Straße ist nicht besonders breit und kann durch Regen oder Erdrutsche noch schlechter werden, als sie ohnehin schon ist.
An der einen Stelle waren Baggerarbeiten, weil ein Tag zuvor ein Erdrutsch die Straße verengt hat. Die Arbeiten haben bewirkt, dass sich ein Stau auf beiden Seiten gebildet hat. Die Straße ist eben schmal und neben dem Bagger kein Platz.
Kaum waren die Arbeiten zu Ende, starteten beide Seiten gleichzeitig. Es kam wie es kommen musste und in den Mitte staute sich alles erneut. Zwei breite Laster kamen nicht aneinander vorbei. Die Autos dahinter sind so weit aufgefahren, dass kein Zentimeter zum Rangieren zur Verfügung stand. Also standen wieder alle. Ein klägliches Hupen half auch nicht weiter. Sie saßen fest.

Es funktioniert

Auch wenn der Verkehr für uns mit einem Kopfschütteln kommentiert wird, funktioniert es doch meistens.

Richtig! Man könnte warten, bis der Unfall vor einem aufgelöst wird oder nach den Bauarbeiten die anderen zuerst durch lassen, aber so wie es die Nepalesen gelöst haben hat es eben auch funktioniert.

 

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