Begegnung auf dem Bromo

Begegnung auf dem Bromo

30. Dezember 2018 0 Von Rebecca

Von einem Tsunami und einem Kinderwunsch

Dieses Mal möchte ich von einer Frau erzählen, die ich auf dem Vulkan Bromo auf der Insel Java kennen gelernt habe. Dieser Beitrag handelt von Krankenversicherungen und Tsunamis.

Vulkan Bromo

Als ich angesprochen werde dämmert es noch. Bestimmt wieder einer dieser Anfragen, ob ich Fotos mit einer ganzen indonesischen Familie machen möchte. Dabei kennen die mich doch gar nicht. Aber es scheint sie glücklich zu machen, ein Andenkenbild mit einem Westler zu haben.
Mit 100 anderen Menschen stehe ich auf einer Aussichtsplattform und halte meine Kamera für den perfekten Augenblick bereit. Gleich geht die Sonne auf und die Nebelschwaden, die aus dem Krater des Vulkans steigen, werden golden angeleuchtet.
Die Frau neben mir räuspert sich. Ich werde nicht viel verpassen, wenn ich ihr den Gefallen machen, ein Foto mit ihr zu schießen. Langsam ist zu erkennen, dass der Himmel bewölkter ist als gestern. Mist. Der Sonnenaufgang wird unvergessliches Foto geben. Umsonst früh aufgestanden.

Tsunami in Java

Ich drehe mich zu der Frau um, die neben mir auf der Bank platz genommen hat. Eine junge Muslimin mit ihrem Mann sitzen warm eingepackt neben einander.
»Wo kommst du her?«, fragt sie mich in einem beeindruckend guten Englisch.
»Aus Deutschland. Und ihr?«
»Aus einem Küstenort im Osten von Java.«, antwortet sie mit dünner Stimme.
»Im Osten von Java?«, ich bekomme große Augen, »Ist deine Stadt vom Tsunami betroffen, der vor 3 Tagen vom Anak Krakatau ausgelöst wurde?«
Sie nickt. »Aber wir waren nicht da, als es passierte. Wir sind seit Montag mit meinen Eltern auf Reisen, um den Vulkan Bromo anzuschauen. Ist der nicht wunderschön?«
Ich blicke nochmal zu dem dampfenden Krater rüber. Irgendwie habe ich mir den Touristenmagneten spektakulärer vorgestellt. Oder vielleicht liegt es nur daran, dass die Wolken mir mein Bild versauen werden.
»Ja, er ist ganz nett.«, ich schlucke, um mich auf die Frage vorzubereiten, die mir auf der Zunge liegt.

»Seid ihr vom Tsunami betroffen?«

Sie schüttelt den Kopf und lächelt mich an, »Nein. Unser Haus ist 10 Kilometer im Landesinneren und keiner meiner Freunde und Verwandten ist etwas passiert.«
Wieder ein Lächeln bei dem Thema. Als ich vor 2 Tagen von de Tsunami erfahren habe, habe ich mich kurz erschreckt. Ich bekam nur die Nachricht, »Tsunami auf Java.« Also auf der Insel, auf der ich mich seit über einer Woche aufhalte. Im meinem Hostel sprach ich das Thema und fragte, ob viele Betroffen sind, aber der Typ an der Rezeption interessierte sich nicht besonders dafür. Er sprach zu mir, als ginge es um die Bestellung eines Taxis.
»Warum lächelst du?«, frage ich die Frau, »Warum gehen alle Indonesier mit dem Tsunami um, als wäre nichts passiert?«
Ihr Lächeln verschwindet und ein grübeln verzieht ihren Mund.
»Hm. Es interessiert uns schon. Aber wir sind daran gewöhnt. Ganz oft gibt es Tsunami Warnungen und immer wieder passiert etwas. Dagegen kann man nichts tun. Und von hier aus kann ich erst recht nicht helfen. Wenn ich zurück bin werde ich für die Leute spenden, die ihr Zuhause verloren haben.«

Kinderwunsch in Indonesien

Sie schaut zu ihrem Mann rüber, der die ganze Zeit still neben ihr gesessen hat und jetzt zustimmend nickt.
»Das ist mein Ehemann.«, stellt sie den attraktiven Mann mit der Wollmütze vor, über die quer das Wort »Bromo« gestickt ist. »Wir wollen bald Kinder haben.«
So viel Offenheit habe ich nicht erwartet.
»Wie lange seit ihr verheiratet?«, versuche ich in den Themenwechsel mit einzusteigen.
»3 Jahre. Wir haben noch keine Kinder, weil wir erst Geld sparen müssen.«
»Sind Kinder teuer?«, frage ich.
»Das ist nicht das Problem. Wir brauchen das Geld für die Schwangerschaft.«
»Warum?«, wunder ich mich, »Habt ihr keine Krankenversicherung?«
»Doch. Mein Mann ist Ingenieur und ich bin Englischlehrerin …« Jetzt wird mir klar, warum sie gut Englisch spricht.
»Wir haben beide Krankenversicherungen. Aber diese decken nicht die Schwangerschaftsbehandlungen ab. Und die sind teuer. Es wird noch eins bis zwei Jahre dauern, bis wir das Geld zusammen haben.«
Die beiden schauen sich flüchtig an und ich weiß nicht was ich darauf erwidern soll.
»Schau«, ruft sie in die Stille rein, »Die Sonne geht auf.«